Sport
Eismeister Zaugg

Patrick von Gunten wird Sportdirektor beim Schweizer Hockey-Verband

HC Ambr
Paolo Duca wird nicht Verbands-Sportdirektor.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Brisante Wahl: Nicht Paolo Duca, sondern Patrick von Gunten wird Verbands-Sportdirektor

Patrick von Gunten heisst der neue Sportdirektor des Verbandes – und nicht Paolo Duca, der Wunschkandidat der National League. Ein Affront gegenüber der National League, der weitreichende Folgen haben wird.
11.04.2026, 10:5411.04.2026, 11:06

An der Fachkompetenz gibt es nichts auszusetzen. Patrick von Gunten (41), WM-Silberheld von 2013 kann und versteht Hockey. Als Verteidiger hat er die Hockey-Welt in Biel, Kloten und während einer Saison in Schweden kennengelernt. Aktuell arbeitet er für die Hockey-WM in Zürich und Fribourg.

Patrick von Gunten
Der Verband hat die Wahl von Patrick von Gunten mittlerweile bestätigt.Bild: sihf

Warum also die politische Brisanz? Weil die National League (mit nur einem Sitz im Wahlgremium Verbands-Verwaltungsrat) Paolo Duca (44) als Nachfolger von Lars Weibel (51) wollte. Aus gutem Grund: Duca hat als Sportdirektor in Ambri Führungserfahrung im Profihockey. Eine starke, temperamentvolle Persönlichkeit, die für die Sache einsteht und den Interessen der Hockey-Entwicklung (Reform Swiss League, Nationalteams auf allen Stufen) eine starke Stimme gegeben und für positive Unruhe in der Sportabteilung des Verbandes gesorgt hätte.

Patrick von Gunten hat keinerlei Führungserfahrung. Er ist vom Typ her ein freundlicher Apparatschik und ein guter Organisator, der für keinerlei Unruhe im beschaulichen Verbandsleben sorgen wird. Das Nationalteam wird funktionieren und alles seinen gewohnten Gang gehen. In Zeiten, in denen der Verband seine sportlichen Strukturen verändern sollte, ja müsste.

Kloten's player Patrick von Gunten, left, fights for the puck with Ambri's player Eliot Berthon, right, during the preliminary round game of National League Swiss Championship 2017/18 betwee ...
Patrick von Gunten (links) spielte jahrelang in der National League.Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Paolo Duca ist zum Verhängnis geworden, dass er der Wunschkandidat der National League war. Das hat die Mehrheit im Verbandsverwaltungsrat bei der Wahl auch klar durchblicken lassen. Der Entscheid im siebenköpfigen Verwaltungsrat fiel mit 5:2 für Patrick von Gunten. Für Paolo Duca stimmen Peter Zahner, der Vertreter der National League, und Präsident Urs Kessler.

Zum Wohle unseres Hockeys müssten eigentlich die juristisch unabhängige National League und der Verband eng zusammenarbeiten. Mit dieser Wahl ist das Tischtuch zwischen diesen beiden Organisationen zerschnitten. Auf die neue Saison muss ein neuer Zusammenarbeitsvertrag zwischen der National League und dem Verband ausgearbeitet werden. Darin geht es um die Leistungen, die die National League beim Verband bezieht (Schiedsrichter, Lizenzwesen, Organisation Junioren-Meisterschaften) und die Bezahlung dieser Leistungen. Das TV-Geld (rund 30 Millionen im Jahr) kassiert ja die National League und es geht bei diesem Zusammenarbeitsvertrag darum, wie viel davon der Verband noch bekommt. Aktuell bekommt der Verband von der National League rund 5 Millionen. Nun, nach der «politischen» Wahl des Verbandssportdirektors dürfte diese Summe um die Hälfte reduziert werden.

Ambris Paolo Duca freut sich nach dem gewonnenen Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Ambri-Piotta und den Rapperswil-Jona Lakers am Freitag, 13. Februar 2015, in der Va ...
Paolo Duca wurde bei Ambri-Piotta zur Vereinslegende.Bild: TI-PRESS

Der ganz grosse Verlierer in dieser Sache steht fest: Die Swiss League. Der Verband ist zu einer Reform nicht fähig und willig und die National League sieht nun keine Veranlassung mehr, dieser wichtigsten Liga unter dem Dach des Verbandes in irgendeiner Weise entgegenzukommen. Die Bildung einer eigenen neuen höchsten Juniorenliga (U 23) wird nun von der National League noch energischer vorangetrieben. Will die Swiss League eine Reform, müsste sie sich juristisch ebenfalls vom Verband lösen und der National League anschliessen.

Stefan Schärer ist als Verbandspräsident gescheitert, weil er die Unterstützung der National League verloren hat. Nun hat auch sein Nachfolger Urs Kessler mit der Wahl von Patrick von Gunten das Wohlwollen der National League verspielt. Es ziehen hockeypolitisch stürmische Zeiten herauf. Wobei: Stürmische Zeiten haben unserem Hockey eigentlich noch nie geschadet – meistens führten sie zu Verbesserungen …

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
32 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
sansibar
11.04.2026 11:17registriert März 2014
„ Mit dieser Wahl ist das Tischtuch zwischen diesen beiden Organisationen zerschnitten“ - das hat die NL schon vor Jahren selber zerschnitten…
365
Melden
Zum Kommentar
avatar
fandustic
11.04.2026 11:39registriert Juni 2021
Die National League ist politisch viel zu stark und hat mehr als genügend Einfluss, um sich allem was der Verband will entgegen zu stellen. Oder glaubt der Eismeister ernsthaft dass die Swiss League nur wegen dem Verband so ist wie sie ist?
Somit mehr als verständlich, dass der Verband das trojanische Pferd Duca nicht bei sich will. Duca wäre der Hampelmann der Liga gewesen oder was anderes bist du, wenn du genau weisst wem du deine Wahl zu verdanken hast? PvG ist ein unverbrauchtes Gesicht, der gut vernetzt ist, aber nicht bereits irgendwelchen „Gefälligkeiten“ nachkommen muss. Gute Wahl!
4121
Melden
Zum Kommentar
avatar
Guli1970
11.04.2026 11:19registriert November 2017
Wie in der Politik, man wählt bewusst keine starke Persönlichkeiten.
289
Melden
Zum Kommentar
32
Plötzlich knallte es dreimal – als der BVB zur Zielscheibe wurde
11. April 2017: Die Mannschaft von Borussia Dortmund wird auf dem Weg zu einem Champions-League-Match zur Zielscheibe eines Bomben-Attentäters. Nur dank viel Glück gibt es keine Toten.
Es ist zunächst ein Match-Tag wie jeder andere für den BVB an jenem Dienstagabend. Mit der üblichen Routine bereiten sich Dortmund-Goalie Roman Bürki, der zu diesem Zeitpunkt einzige Schweizer im Team des damaligen Trainers Thomas Tuchel, und die Mannschaft auf die abendliche Heimpartie gegen die AS Monaco vor.
Zur Story