Brisante Wahl: Nicht Paolo Duca, sondern Patrick von Gunten wird Verbands-Sportdirektor
An der Fachkompetenz gibt es nichts auszusetzen. Patrick von Gunten (41), WM-Silberheld von 2013 kann und versteht Hockey. Als Verteidiger hat er die Hockey-Welt in Biel, Kloten und während einer Saison in Schweden kennengelernt. Aktuell arbeitet er für die Hockey-WM in Zürich und Fribourg.
Warum also die politische Brisanz? Weil die National League (mit nur einem Sitz im Wahlgremium Verbands-Verwaltungsrat) Paolo Duca (44) als Nachfolger von Lars Weibel (51) wollte. Aus gutem Grund: Duca hat als Sportdirektor in Ambri Führungserfahrung im Profihockey. Eine starke, temperamentvolle Persönlichkeit, die für die Sache einsteht und den Interessen der Hockey-Entwicklung (Reform Swiss League, Nationalteams auf allen Stufen) eine starke Stimme gegeben und für positive Unruhe in der Sportabteilung des Verbandes gesorgt hätte.
Patrick von Gunten hat keinerlei Führungserfahrung. Er ist vom Typ her ein freundlicher Apparatschik und ein guter Organisator, der für keinerlei Unruhe im beschaulichen Verbandsleben sorgen wird. Das Nationalteam wird funktionieren und alles seinen gewohnten Gang gehen. In Zeiten, in denen der Verband seine sportlichen Strukturen verändern sollte, ja müsste.
Paolo Duca ist zum Verhängnis geworden, dass er der Wunschkandidat der National League war. Das hat die Mehrheit im Verbandsverwaltungsrat bei der Wahl auch klar durchblicken lassen. Der Entscheid im siebenköpfigen Verwaltungsrat fiel mit 5:2 für Patrick von Gunten. Für Paolo Duca stimmen Peter Zahner, der Vertreter der National League, und Präsident Urs Kessler.
Zum Wohle unseres Hockeys müssten eigentlich die juristisch unabhängige National League und der Verband eng zusammenarbeiten. Mit dieser Wahl ist das Tischtuch zwischen diesen beiden Organisationen zerschnitten. Auf die neue Saison muss ein neuer Zusammenarbeitsvertrag zwischen der National League und dem Verband ausgearbeitet werden. Darin geht es um die Leistungen, die die National League beim Verband bezieht (Schiedsrichter, Lizenzwesen, Organisation Junioren-Meisterschaften) und die Bezahlung dieser Leistungen. Das TV-Geld (rund 30 Millionen im Jahr) kassiert ja die National League und es geht bei diesem Zusammenarbeitsvertrag darum, wie viel davon der Verband noch bekommt. Aktuell bekommt der Verband von der National League rund 5 Millionen. Nun, nach der «politischen» Wahl des Verbandssportdirektors dürfte diese Summe um die Hälfte reduziert werden.
Der ganz grosse Verlierer in dieser Sache steht fest: Die Swiss League. Der Verband ist zu einer Reform nicht fähig und willig und die National League sieht nun keine Veranlassung mehr, dieser wichtigsten Liga unter dem Dach des Verbandes in irgendeiner Weise entgegenzukommen. Die Bildung einer eigenen neuen höchsten Juniorenliga (U 23) wird nun von der National League noch energischer vorangetrieben. Will die Swiss League eine Reform, müsste sie sich juristisch ebenfalls vom Verband lösen und der National League anschliessen.
Stefan Schärer ist als Verbandspräsident gescheitert, weil er die Unterstützung der National League verloren hat. Nun hat auch sein Nachfolger Urs Kessler mit der Wahl von Patrick von Gunten das Wohlwollen der National League verspielt. Es ziehen hockeypolitisch stürmische Zeiten herauf. Wobei: Stürmische Zeiten haben unserem Hockey eigentlich noch nie geschadet – meistens führten sie zu Verbesserungen …
